„Die Seele ist ein
weites Land“

Zum zweiten Mal laden die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie zu ihrem Festival Biennale Bamberg vom 6. bis 21. Juli 2012. Konzertante Oper, Kammerkonzerte, Musik an ungewöhnlichen Orten sowie ein Symposium: Die Biennale Bamberg ist ein Festival mit vielen Facetten.



Ein intaktes Stadtbild wie zur Barockzeit, das von Kriegszerstörungen wie durch ein Wunder verschont geblieben ist, auf theatralische Wirkung angelegte Plätze, Fassaden wie überdimensionale Bühnenbilder – die UNESCO-Welterbestadt Bamberg ist ein „theatrum mundi“, eine Bühne unter freiem Himmel, die geradezu danach verlangt, dass sie „bespielt“ wird. Deshalb haben die Bamberger Symphoniker im Jahre 2010 ihr eigenes Orchesterfestival ins Leben gerufen, das sich alle zwei Jahre einem bestimmten Komponisten oder Werk widmet.

Bei der 2. Biennale Bamberg 2012 gilt das eine wie das andere: Unter dem Motto „Die Seele ist ein weites Land“ ist sie dem Komponisten gewidmet, der vielen als der größte überhaupt gilt: Wolfgang Amadeus Mozart. Zugleich bildet seine Oper „Così fan tutte“ einen Schwerpunkt des Festivals. Rahmenveranstaltungen verschiedenster Art beleuchten die Epoche des zu Ende gehenden Rokoko und die gesellschaftlichen und künstlerischen Voraussetzungen, in die Mozarts Werk eingebettet ist.


Bamberger Symphoniker in der Konzerthalle Bamberg

Bamberger Symphoniker in der Konzerthalle Bamberg


Così fan tutte

„Così fan tutte“ ist eine außergewöhnliche Oper – und wird doch nach wie vor unterschätzt. Denn nicht nur gehört sie musikalisch zum Schönsten und Aufregendsten, was Mozart komponiert hat. Auch ihre Thematik ist, obwohl vor 220 Jahren entstanden, von unverminderter Aktualität: Da wird, verkürzt gesagt, eine Wette abgeschlossen auf die Charakterstärke – oder vielmehr -schwäche – von zwei jungen Frauen, mit deren Leid ein zynisches Spiel getrieben wird. Und am Ende gibt es nur Verlierer – und das Rätsel, in welche Abgründe Mozarts scheinbar himmlische Musik zu leuchten versteht.

Die konzertanten Aufführungen werden geleitet von Chefdirigent Jonathan Nott. Die Solisten zählen zu den herausragenden Mozartinterpreten unserer Zeit, die auf den großen Bühnen weltweit und in der Mozart-Hochburg, bei den Salzburger Festspielen, zu erleben waren.

Die Gärtnerin aus Liebe – eine „Bamberger Fassung“

Dem „Schwergewicht“ Così fan tutte des 34-jährigen Mozart steht sein erstes „dramma giocoso“ gegenüber, das von ähnlichen menschlichen Konflikten handelt und dessen Personenkonstellation dem späten Meisterwerk bereits auf verblüffende Weise wesensverwandt ist: La finta giardiniera (Die Gärtnerin aus Liebe) des 18-jährigen Komponisten aus dem Jahre 1774.

Das auf zwei Abende verteilte und konzertant aufgeführte Werk wird eingebettet in eine literarische Rahmenhandlung, die der Schriftsteller Wolfgang Schlüter, derzeit Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg, eigens für die Biennale Bamberg verfasst.

Dirigent der Aufführungen ist Ainārs Rubiķis, der Gewinner des Bamberger Symphoniker Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs 2010. Die Solisten sind allesamt Studenten der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München.

Ein junges Ensemble für ein Stück des jungen Mozart!

Kammermusik

Die beiden Hauptwerke der Biennale sind eingebettet in einen Reigen kammermusikalischer Werke, die die Reichhaltigkeit von Mozarts Oeuvre dokumentieren. Vor allem seine selten zu hörenden sechs Streichquintette – entstanden zwischen 1773 und 1791 zählen sie musikalisch zum Vollkommensten überhaupt – sowie die sechs Wiener Quartette (1773) präsentieren Mozart als den Meister auch der „kleinen Form“. Das Kuss Quartett musiziert diese Meisterwerke mit Mitgliedern der Bamberger Symphoniker und Stipendiaten der Orchesterakademie der Bamberger Symphoniker. Zudem werden Kammermusikensembles der Bamberger Symphoniker wieder an außergewöhnlichen Spielorten die „Stadt als Bühne“ nutzen, deren Rokoko-Flair passend genau aus der Zeit Mozarts stammt.

„Doch ist das Schwere leicht – das Leichte schwer“

Für „zu leicht für Kinder und zu schwer für Erwachsene“ befand einmal der große Artur Schnabel Mozarts Klavierwerke. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von den „echten“ Pianisten, die sich lieber bei Beethoven und Liszt austobten, sorgfältig gemieden, fristet dieses Werk-Corpus immer noch ein Schattendasein in unseren Konzertsälen – obwohl sie geradewegs ins Zentrum des großen Mozart-Geheimnisses führen: wie ist es möglich, mit so scheinbar einfachen Mitteln, das Anrührendste und Tiefsinnigste auszudrücken, was Musik zu sagen vermag?

Evgeni Koroliov, bekannt geworden durch seine großartigen Aufführungen und Einspielungen der Bach-Zyklen, ist auch ein grandioser Mozart-Interpret und bereichert mit einem ausschließlich Mozart gewidmeten Klavier-Recital die kammermusikalischen Exkursionen der Biennale.

Wolfgang hoch zwei – Sonderkonzert zu Ehren von Wolfgang Rihm

Ein Sonderkonzert bringt Wolfgang Amadeus Mozart mit einem anderen berühmten Komponisten desselben Vornamens zusammen, der 2012 seinen 60. Geburtstag feiert und sich in seinen Werken nicht selten auf den Salzburger Meister bezieht: Wolfgang Rihm.

Singer Pur, eines der führenden deutschsprachigen Vokalensembles und dreifacher ECHO-Klassik-Gewinner, bringt zusammen mit einem Ensemble der Bamberger Symphoniker Rihms „Vigilia“ zur Aufführung – flankiert von Mozarts „Gran Partita“.

Rahmenprogramm – Stadtspaziergang, Symposium, öffentliche Meisterklasse

Wie schon bei der Biennale Bamberg 2010 werden Musiker der Bamberger Symphoniker zweimal zu einem musikalischen Stadtspaziergang laden. An Orten aus der Mozart-Zeit – die in Bamberg reichlich vorhanden sind – wird Musik der entsprechenden Epoche erklingen. Ein Symposium befasst sich mit Mozart und seiner Zeit, den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen seine Musik entstand und den Besonderheiten der Werke, die die Biennale Bamberg 2012 präsentiert. Darüber hinaus veranstaltet das Kuss Quartett eine öffentliche Meisterklasse für die Stipendiaten der Orchesterakademie der Bamberger Symphoniker. Und schließlich treten das Kuss Quartett, Mitglieder der Bamberger Symphoniker und Stipendiaten der Orchesterakademie unter dem Titel „Klassik einmal anders“ an einem für das Orchester ungewöhnlichen Ort auf: dem Morph Club in der Bamberger Innenstadt.



 
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